KINKIS VILLON

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1.
Verbannt 02:52
Ich, Villon, ein Dichter und Vagant, Franzose und verbannt aus meinem Vaterland, mich kitzelt der Geruch der grossen Stadt, ich brauche Raum, ich brauche Raum und habe nicht einmal für meinen Kopf ein Futteral. Ich hab den Hetzhund endlich satt, der mich durch die verfaulten Wälder treibt. Ich bin ein ganzes Jahr schon unbeweibt. Du aber weisst, wie reissend mich das Blut bewegt, wie mein Gehirn durch alle Himmel fegt, ich hab dir mehr als einen Reim geschenkt, da war noch Würze drin und Salz. Jetzt klebt ein Schandfleck rot an meinem Hals, und wer mich fängt und henkt, streicht hundert Golddukaten ein; soll das mein Leben lang dein Wille sein? Du, sieh her, ich trage auf der grauen Haut nur diesen Rock, der ist geklaut und stinkt nach Muff und Mottenfrass. Sieh hier, am Knie ein Loch, so gross wie eine Faust... Wer bin ich bloss, dass ich zu Mist und Aas verdammt bin, ich, Villon aus Gross-Paris, Professor einst und Herr vom Goldnen Vlies. ... mein Bruder hör: Wozu bist du so stolz auf einen Thron gesetzt, wenn du wie Holz dich anfühlst und nicht schreist: "Schafft den Villon mir her, zieht ihm ein Kleid von Seide an. 's ist höchste Zeit, dass die Durchlaucht mit mir zu Abend speist!" Mein Bruder, hör doch: Ich hab nur Wind im Darm und bin wie eine Laus, so arm. Ja, auch so ein König neigt zuweilen sich zu seinem Untertan herab und denkt wie ich; dass alle Menschen gross und klein, am Ende sollen Brüder sein.
2.
Lumpenpack 02:37
Die dicken Fresser in Kamelhaar-Kutten, die frommen Nonnen und die Kardinäle mit ihren parfümierten Luxusnutten, Minister, Mameluken und die Generäle mit Blech verklebt vom Nabel bis zum Ohr, eventuell auch noch der königliche Mohr, "Rinosdam", das alte Schwein. Sie mögen mir das Lästermaul verzeihn. Die Mädchen auch, die ihre weissen Äpfel springen lassen damit die Männer nach dem Ding noch schärfer werden, die Gaunerhände, die in fremde Taschen fassen, Piraten, Feuerfresser und Zigeunerherden, Proleten die verbraucht am Zaun krepieren, auch der Kretin, der krumm auf allen vieren sich vollsäuft mit Champagnerwein. Sie alle... mögen mir mein elendes Geschick verzeihn. Nur der verdammte Bürgermeister nicht, dem spuck ich lieber dreimal ins Gesicht, der hat mich um den letzten Bissen Brot betrogen und mir das bisschen Suff genommen, der soll mir ja nicht in die Quere kommen, den Lausebengel schlag ich mausetot. Ha, ach so... ha ach so, ja ja, in diesem Zustand schaff ich's nicht allein. Drum wird er mir die Schlappheit auch verzeihn Nicht riechen kann ich auch die Herren vom Gericht, da hocken sie mit Fäusten wie ein Schwergewicht auf ihrem Paragraphenthron und brennen jedem, der nicht blecht, ein Schandmal auf die Stirn. Die werden ihren Lohn bald kriegen für ihr gottverfluchtes Recht. Dass ich bei dieser Jagd nicht darf der Hauptmann sein, Na ja, das werden sie mir wohl verzeihn. Man schlag dem ganzen Lumpenpack das Maul mit einem Hammer kurz und klein. Ich bin Villon! Das braucht mir keiner hier verzeihn
3.
Interludio 00:50
4.
Vor vollen Schüsseln muss ich Hungers sterben, am heissen Ofen frier ich mich zu Tod, wohin ich greife fallen nichts als Scherben, bis zu den Zähnen reicht mir schon der Kot. Und wenn ich lache, dann habe ich geweint, und wenn ich weine, bin ich froh, dass mir zuweilen auch die Sonne scheint, als könnte ich im Leben ebenso zerknirscht wie in der Kirche niederknien... ich, überall verehrt und angespien. Nichts scheint mir sichrer als das nie Gewisse, nichts sonnenklarer als die schwarze Nacht. Nur das ist mein, was ich betrübt vermisse, und was ich liebte, das hab ich umgebracht.
5.
Selbst wo ich dachte, dass ich gestern war, bin ich erst heute abend zugereist. Da, von meinem Schädel ist das letzte Haar zu einem blanken Mond vereist. Ich habe nicht ein Hemd, es anzuziehn... ich, überall verehrt und angespien. Ich habe dennoch soviel Mut zu hoffen, dass mir sehr bald die ganze Welt gehört, und stehn mir wirklich alle Türen offen, schlag ich sie wieder zu, weil es mich stört, dass ich aus goldnen Schüsseln fressen soll... Die Würmer sind schon toll nach meinem Bauch, ich bin mit Unglück bis zum Halse voll. Ich bleibe unter dem Holunderstrauch, auf den noch nie ein Stern herniederschien, François Villon, verehrt und angespien.
6.
Als man mich verstiess ins Unbekannt, da warst du, schwarzes Tier, mein Vaterland. Leg mir deine Wurzelhand aufs Haar, reich mir deinen roten Muschelmund; dass ich herrenloser Strassenhund wieder weiss, was ich vor Jahren war, Dichter manchmal, manchmal auch Soldat, den die Welt wie einen Wurm zertrat. Viele Tiere sind mit rotem Blut durch mein Ich geschwommen, bis die Flut überlief von mir. Wer kann dafür, dass er nicht in jeden Stiebel passt? Wenn ich jetzt den Menschen so verhasst und verekelt bin wie ein Geschwür: Kleines schwarzes Luder du, komm, komm her, deine Liebe wiegt Jahrtausend schwer. Waisenkinder sind wir beide jetzt, angespien und herumgehetzt. Aber unser Blut ist noch so rot, dass wir tanzen müssen, wenn es wild durch die Adern schwillt und, nie gestillt, uns im Traum noch quält bis auf den Tod. Im lauen Wind der Mitternacht, hab ich dir im Kraut ein Bett gemacht. Und der Mond, der brennt auf deinen Bauch, dass du in dem heissen Silberschein in den weissen Anemonen da, schöner aufblühst, Stern von Afrika! Stern! Mein Stern, der mir noch manche Sommernacht leuchten möchte, mir zum Glück gemacht. Über uns ist nur das Kraut erbaut mit den weissen Lämmerwolken drin. Und das Gras, das reicht uns bis zum Kinn, bis dass unsre Leiber auch sich zu Kraut schon verwandelt haben, hier im Wald: Du und ich schon ein Jahrtausend alt. Hier, von aller Kümmernis entflohn, ist auch dieser Wald ein Gottessohn, der die Hände uns zusammenlegt. Und wie manchmal aus dem grauen Staub auferhoben wird das rote Laub, treiben wir vom Morgenwind bewegt, durch die breiten Flüsse in das Meer, wo kein Grund mehr ist und keine Wiederkehr.
7.
Du Himmelskönigin, im Gold und Blau der Ewigkeit, Du Schmerzensweib und Leid von meinem Leid, nimm meine Stimme gnädig auf zu Dir! Ich bin ja nur ein armes Waisenweib und krümme mich noch tiefer in den Staub als Wurm und Tier, ich habe solche Angst in Dein Gesicht hineinzusehn und kann doch ohne Dich nicht einen Schritt weit gehn. Empfehle mich der Gnade Deines Sohnes, tu ihm kund, dass meine Knie vom Beten schon ganz wund geworden sind. Ja, sag ihm, ich will die eigeborne Schuld mit meinem letzten Seufzer büssen, wenn er mir vergibt, wie seinen Feinden er doch auch verziehn hat und den Verräter selbst noch aufgehoben hat in Mitleid und Geduld. O, Mutter unser, lass mich nicht so lang im Dunkeln stehn, ich kann ja ohne Dich nicht einen Schritt weit gehn. Ich bin eine alt und grau gewordne Frau, ich trinke Tag und Nacht den Tränentau der Einsamkeit. Bin keinem mehr was wert und keiner kommt... und keiner kommt und hebt mich aus dem Elend auf. Du aber stehst so strahlend da im Glanz der ewigen Gestirne... und das Schmerzensschwert in Deiner Brust ist lauter Licht. Falt es in mein Flehn und lass mich nicht noch weiter elend gehn.
8.
Im Bordell 03:46
Da regen sich die Menschen auf, weil ich mit einem Mädchen geh, das sich vom Strich ernährt und meine Wenigkeit dazu. Ich hab die kleine Kröte schrecklich gern, bürste ihr die Kleider, putz ihr auch die Schuh, damit die Offiziers und Kammerherrn sich wie im Himmel fühlen, in dem Bordell, in dem wir beide wohnen. Ich bleibe immer vornehm und diskret und warte, bis die Kundschaft wieder geht, dann zähl ich schnell die blanken Taler nach, und wehe dir Margot, wenn einer fehlt... Zuweilen wird auch einer abgekehlt, weil er sich heimlich drücken wollte aus dem Bordell, in dem wir beide wohnen. Mitunter nag ich auch am Hungertuch bei meinem fetten Schwan, weil der Besuch ins Stocken kam. Natürlich hat sie Schuld und muss gleich Wäsche, Schmuck und Seidenkleid versetzen gehen. Mein Gott, die schöne Huld hört auf, hat man kein Geld zur rechten Zeit, Ich muss ihr oft den Arsch versohlen in dem Bordell, in dem wir beide wohnen. Dann gibt sie endlich Ruh und lacht und lässt ein Fürzchen und lockert schnell ihr enges Miederchen und nennt mich "Lieber Schatz" und löst ihr Schürzchen Dann schlafen wir. Und beim Erwachen legt sich die dicke Sau mit ihrer ganzen Last auf mich Ah, dass sie das Kind nicht tötet, das sie trägt Ich werde glatt wie ein Gedankenstrich Dann macht sie's mir, dass mir die Ohren sausen in dem Bordell, in dem wir beide hausen. Jetzt merkt es euch, ihr Herren, wenn ihr für eine Nacht ein Mädchen sucht, das alles mit euch macht, dann seid ihr uns willkommen in dem Bordell, in dem wir beide wohnen.
9.
Krank 03:52
Am Abend standen alle Bäume grau und krank im Wald herum, weil in dem Wiesengrund der Tag ertrank. Du aber warfst die Kleider fort vom Leib und hast ein weisses Licht mir angezündet, Abendweib, mit Wurzelhaar und Tiergesicht. Und immer werden meine Augen hell und weit, wenn in dem Wald der weisse Mond erscheint. Die Bäume wuchsen in den Mai hinein und wollten nicht mehr grau und einsam sein. Ich aber weiss nicht, wo du weilen magst, ich weiss nur, wie du hautnacktheiss an meinem Munde lagst. Und über uns der Mond zog seinen Kreis die lange Nacht und hat mich krank gemacht. Ich bin nach deinem roten Mund so krank, der sich an meinem Blut betrank. Das werd ich manche Nacht im Wald noch wissen... du, warum kommst du nicht mehr zurück, im weissen Kleid. Bald bin ich alt und wie die Bäume krank und leer... Und könnte sein wie einst im weissen Licht, dein Nachtgemahl mit Wurzelhaar und Tiergesicht.
10.
Stimmen 00:46
11.
Rotes Haar 05:19
Im Sommer war das Gras so tief, dass jeder Wind daran vorüberlief. Ich habe da dein Blut gespürt und wie es heiss zu mir herüberrann. Du hast nur leise mein Gesicht berührt, da starb er einfach hin, der starke Mann, weils solche Liebe nicht mehr gibt... Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt. Im Feld den ganzen Sommer war der rote Mond so rot nicht wie dein Haar. Jetzt wird es abgemäht, das Gras, die bunten Blumen welken auch dahin. Und wenn der rote Mond so bleich geworden ist, dann hat es keinen Sinn, dass es noch weisse Wolken gibt... Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt. Du sagst, dass es bald Kinder gibt, wenn man sich in dein rotes Haar verliebt, so rot wie Mohn, so weiss wie Schnee. Im Herbst, da kehren viele Kinder ein, warum solls auch bei uns nicht sein? Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh und wenn es tausend schönere gibt... Ich habe mich in dein rotes Haar verliebt.
12.
Es schwamm der Mond in mein Gemach hinein, weil er da draussen so allein im Schneefeld bei den schwarzen Bäumen stand. Ich habe ihm ein Kissen hingerückt, damit er ruhen konnte, und er tats beglückt sich untern Kopf. Dann legt ich ihm die Hand schnell auf die Augen, und dann schlief er auch. Mich aber plagte schlechte Luft im Bauch. Sie plagte mich, bis eine Uhr schon Zwölfe schlug. Da hatte ich verdammt genug und liess sie ab, die Luft. Davon ist zwar der gute Mond nicht aufgewacht, doch in dem Fenstereck die Mäusefrau. Sie hat im ersten Schreck geboren, was noch gar nicht fällig war. Die rosa Schnauzen piepsten da so nett, dass ich sie zu mir nahm ins warme Bett. Mein Gott, die winzigkleinen Dinger, noch ganz nackt und blind dabei: Mich hat das Elend so gepackt, dass mir was Nasses in die Augen kam. Dabei hat manches Weib von mir so unverhofft wie dieses Maustier ein Kind gekriegt. Doch niemand nahm den Bastard auf. Die armen Würmer kuschten sich in meine Hand, als wäre ich ihr Vater Mäuserich. Zuletzt war auch die Mäusefrau so zahm geworden, dass sie schwänzelnd zu mir kam. Die schwarzen Augen glänzten froh und gross in mein Gesicht hinein. Und plötzlich... plötzlich war ich auch so mäuseklein wie dieses Weib und nahms auf den Schoss und habe wohl die ganze Nacht bei ihr geruht. Ich, Villon... ich war Blut von ihrem Blut. Im milden Licht der Winternacht hab ich mich zu den Mäusen aufgemacht. Du aber fragst, warum denn nur? Hör zu, es ist kein Tier so klein, das nicht von dir ein Bruder könnte sein. Ich weiss die Spur nicht erst seit gestern Nacht. Mich hat schon manche Frau zum Tier gemacht.
13.
Alptraum 01:04
14.
Gehenkt 04:21
Ihr Brüder seht, hier werden wir gehängt, ist keiner da, der uns sein Mitleid schenkt? Gott wird es euch vergelten mit dem Gold der Ewigkeit, wenn ihr uns nicht mehr grollt. Seht her, gleich baumeln wir, fünf Kameraden, und wenn wir auch den Leib noch in der Sonne baden konnten, den fetten Leib, genährt mit Fleisch und Weizenbrot; bald frisst uns auf mit Haut und Haar der Tod. Verspottet nicht dies elende Geschick, Gott wird uns bald in Jesu Namen erlösen von dem Galgenstrick, von allem Übel. Amen! Wir hängen dann für die Gerechtigkeit und dass ihr unsre Brüder seid, verzeiht! Verzeiht! Nicht jeder auf der Welt hat kaltes Blut, nicht jedem tut dies faule Leben gut. Seht, wie der Tod uns an den Kragen fährt, seht, wie sein Griff uns schon am Halse schwärt. Seid nicht erbost auf unsre Sünden. Verspottet nicht dies elende Geschick, Gott wird uns bald in Jesu Namen erlösen von dem Galgenstrick, von allem Übel. Amen! Man hat uns unsere Köpfe uns blank rasiert, seht doch wie uns in der Sonne bitter friert, Habt doch ein bisschen Mitleid auch mit unsern Sünden Verspottet nicht dies elende Geschick, Gott wird uns bald in Jesu Namen erlösen von dem Galgenstrick, von allem Übel... Lasst uns hier nur ruhig schweben am langen Strick. Wir haben sowieso von diesem Hundeleben den Hals bis oben voll gehabt. Wir haben nie, wie ihr, in einem weissen Bett gelegen, wir lagen Nacht für Nacht im schwarzen Regen, vom Wind zerfressen und vom Wurm zerschabt. So viele Sommerjahre haben wir den Magen mit Erde nur und Laub uns vollgeschlagen, da wurde auch die Liebe kalt und alt. Aus unseren abgewürgten Hälsen manchmal pfeifen die bösen Träume noch und wollen nicht begreifen, dass auch die runde Welt ein Ende hat. Warum soll uns am Ende gar der Teufel holen? Wir haben keinem Armen was vom Brot gestohlen, ihr Brüder, denkt an eure eignen Missetaten, die wird man nicht so leicht mit Bibelsprüchen los. Es fällt sehr bald ein Schnee auf eure Haare, dann liegt ihr auch auf einer schwarzen Bahre so klein und hässlich wie im Mutterschoss.
15.
Nachschrift 03:28
Da ich nun doch zur Erde wieder faulen muß, aus der ich einmal grün nach oben schoß; so möchte ich in Saint-Avayl begraben sein. Ich habe dieses Nest vor Jahren schon mir auserwählt. es ruht dort auch mein Sohn Armand, der leider nur mit einem Bein zur Welt kam und am vierten Tag sich vom Herrn versetzen ließ auf einen andren Stern. In dem besagten Dörfchen also soll man mir die Grube machen, wenn ich hier krepier. Und wenn es möglich ist, soll einen Pflaumenbaum man mir zu Füßen pflanzen. Bloß keinen Block aus Marmor auf den Schädel tun ... mein Rock ist viel zu sauber für den Schaum der sogenannten Ehre. Außerdem wärs auch zu schade für den schönen Lehm. Auf einem grauen, nicht zu kleinen Stein vom Feld gleich nebenan, soll kurz und klar geschrieben sein, wer unten fault und was er so im Leben war. Nur nicht mit goldnen Lettern, nein, nehmt Teer und schreibts mit einem Besenstiel daher. Dann wird vielleicht im Jahr Zweitausend des Herrn Jesu Christ, die Welt noch wissen, wer Villon gewesen ist. Schreibt einfach so: Hier ruht in seinem eigenen Dreck, in seinem letzten heimlichsten Versteck, ein armer Teufel, ein Vagant: F r a n ç o i s V i l l o n genannt. Er hatte nie ein eigen Dach sein Lebtag überm Kopf gehabt. Er schritt dahin, zerbeult und abgeschabt, den Fürsten zum Gespött, den Pfaffen zum Verlach. Er gab den Armen hin, was er besaß, und gibt sich jetzt den Maden noch zum Fraß. Gehet bitte nicht vorüber hier an diesem Ort und legt bei euren Heiligen ein gutes Wort für meine müde Seele ein. Ich wills euch vorkaun, was ihr beten müßt, nachdem ihr euch bekreuzigt habt und Gott die Hand geküßt. Nur müßt ihr euch vom Schein der Kerzen nicht verwirren lassen und einer Frau womöglich in den Rockschlitz fassen. "O Herr, gib diesem armen Luder hier den Frieden, den er bei einem wilden Tier, gemeinhin Mensch genannt, nicht fand. Er war der Erde ärmster Knecht, es ging ihm schlimmer noch als schlecht, man hat ihn angespien und Schande in sein Fleisch gebrannt. Er hatte nur den Wind zeitlebens im Gesicht, o Herr, nun schenk ihm Licht von deinem Licht.” Was sonst noch von ihm übrig bleibt, bringt höchstens einen Nesselstrauch in Schwung. Und wer auf meinen Spuren weitertreibt, begriff nur den Geruch von Dung.
16.
Erdbeermund 05:19
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund, ich schrie mir schon die Lungen wund nach deinem weißen Leib, du Weib. Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht, da blüht ein schöner Zeitvertreib mit deinem Leib die lange Nacht. Das will ich sein im tiefen Tal dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl. Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar, da schlief ich manches Sommerjahr bei dir und schlief doch nie zuviel. Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut, das macht mir wieder frohen Mut. Komm her, ich weiß ein schönes Spiel im dunklen Tal, im Muschelgrund... Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund! Die graue Welt macht keine Freude mehr, ich gab den schönsten Sommer her, und dir hat's auch kein Glück gebracht; hast nur den roten Mund noch aufgespart, für mich so tief im Haar verwahrt... Ich such ihn schon die lange Nacht Im Wintertal, im Aschengrund... Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund. Im Wintertal, im schwarzen Beerenkraut, da hat der Schnee sein Nest gebaut und fragt nicht, wo die Liebe sei, Und habe doch das rote Tier so tief erfahren, als ich bei dir schlief. Wär nur der Winter erst vorbei und wieder grün der Wiesengrund! ...ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

about

"Ihr Brüder, denkt an Eure eigenen Missetaten! Die wird man nicht so leicht mit Bibelsprüchen los!"

Download includes complete artwork (12 pages-booklet PDF)!

credits

released September 11, 2011

Klaus Kinski † (voice) and:

SEID WAS IHR WOLLT:
Tim van Jul (keyboards)
Zinnober (electric guitar)
Stefan Pietzsch (bass guitar, violoncello)
Delle Kriese (drums)
Jörg Vollerthun (trombone)

additional musicians:
Mario Ferraro (acoustic / electric / lap steel guitar)
Hannes Schindler (violin)
Peter “ Cäsar“ Gläser † (flute)
Marcus “ Basskran“ Schloussen † (double bass)

composition / production: Tim van Jul
mix: Tim van Jul
additional mix: Francis Cinna, Stefan Pietzsch
mastering: Masterlab Masteringstudios Berlin-Kreuzberg
artwork: Zinnober

license

all rights reserved

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SEID WAS IHR WOLLT Berlin, Germany

"Die über 500 Jahre alten Texte François Villons, eines Fanatikers der absoluten Unabhängigkeit, in der Interpretation des Exzentrikers Klaus Kinski beschreiben aktueller denn je das Wechselspiel vom Rand der Gesellschaft in ihr Innerstes" - music: SEID WAS IHR WOLLT, voice: Klaus Kinski (*1926 †1991), poetry: François Villon (*1431 † 1463 missing), free adaptation: Paul Zech (*1881 †1946) ... more

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