Nachschrift

from by SEID WAS IHR WOLLT

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Notwendige Nachschrift mein Begräbnis betreffend

lyrics

Da ich nun doch zur Erde wieder faulen muß,
aus der ich einmal grün nach oben schoß;
so möchte ich in Saint-Avayl begraben sein.
Ich habe dieses Nest vor Jahren schon
mir auserwählt. es ruht dort auch mein Sohn
Armand, der leider nur mit einem Bein
zur Welt kam und am vierten Tag sich vom Herrn
versetzen ließ auf einen andren Stern.

In dem besagten Dörfchen also soll man mir
die Grube machen, wenn ich hier krepier.
Und wenn es möglich ist, soll einen Pflaumenbaum
man mir zu Füßen pflanzen. Bloß keinen Block
aus Marmor auf den Schädel tun ... mein Rock
ist viel zu sauber für den Schaum
der sogenannten Ehre. Außerdem
wärs auch zu schade für den schönen Lehm.

Auf einem grauen, nicht zu kleinen Stein
vom Feld gleich nebenan, soll kurz und klar geschrieben sein,
wer unten fault und was er so im Leben war.
Nur nicht mit goldnen Lettern, nein, nehmt Teer
und schreibts mit einem Besenstiel daher.
Dann wird vielleicht im Jahr
Zweitausend des Herrn Jesu Christ,
die Welt noch wissen, wer Villon gewesen ist.

Schreibt einfach so: Hier ruht in seinem eigenen Dreck,
in seinem letzten heimlichsten Versteck,
ein armer Teufel, ein Vagant:
F r a n ç o i s V i l l o n genannt.

Er hatte nie ein eigen Dach
sein Lebtag überm Kopf gehabt.
Er schritt dahin, zerbeult und abgeschabt,
den Fürsten zum Gespött, den Pfaffen zum Verlach.
Er gab den Armen hin, was er besaß,
und gibt sich jetzt den Maden noch zum Fraß.

Gehet bitte nicht vorüber hier an diesem Ort
und legt bei euren Heiligen ein gutes Wort
für meine müde Seele ein.
Ich wills euch vorkaun, was ihr beten müßt,
nachdem ihr euch bekreuzigt habt und Gott die Hand geküßt.
Nur müßt ihr euch vom Schein
der Kerzen nicht verwirren lassen
und einer Frau womöglich in den Rockschlitz fassen.

"O Herr, gib diesem armen Luder hier
den Frieden, den er bei einem wilden Tier,
gemeinhin Mensch genannt,
nicht fand.
Er war der Erde ärmster Knecht,
es ging ihm schlimmer noch als schlecht,
man hat ihn angespien und Schande in sein Fleisch gebrannt.
Er hatte nur den Wind zeitlebens im Gesicht,
o Herr, nun schenk ihm Licht von deinem Licht.”
Was sonst noch von ihm übrig bleibt,
bringt höchstens einen Nesselstrauch in Schwung.
Und wer auf meinen Spuren weitertreibt,
begriff nur den Geruch von Dung.

credits

from Kinskis Villon, released September 11, 2011
Klaus Kinski † : voice
Tim van Jul: keyboards

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SEID WAS IHR WOLLT Berlin, Germany

"Die über 500 Jahre alten Texte François Villons, eines Fanatikers der absoluten Unabhängigkeit, in der Interpretation des Exzentrikers Klaus Kinski beschreiben aktueller denn je das Wechselspiel vom Rand der Gesellschaft in ihr Innerstes" - music: SEID WAS IHR WOLLT, voice: Klaus Kinski (*1926 †1991), poetry: François Villon (*1431 † 1463 missing), free adaptation: Paul Zech (*1881 †1946) ... more

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